Die Lücke im Bekenntnis

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13.09.2020

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Mit Israel die Güte Gottes feiern

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16.08.2020

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Der Grund des Lebens


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09.08.2020

Predigt zum 9. Sonntag nach Trinitatis

„Wer diese meine Rede hört und tut sie,
der gleicht einem klugen Mann,
der sein Haus auf Fels baute.
Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen
und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein;
denn es war auf Fels gegründet.“
Mit diesem Gleichnis lässt der Evangelist Matthäus die Sprüche Jesu, die er zu einer langen Rede zusammengestellt hat, zu Ende gehen.

Jesus selbst nennt seine Worte ein Fundament, auf dem seine Jüngerinnen und Jünger ihr Leben aufbauen sollen. Dabei kommt es auf zweierlei an: Auf das Hören und das Tun. Jesu Worte hören, das ist das erste.
Wirkliches Hören heißt hinhören, die gehörten Worte in sich aufnehmen, verinnerlichen und zum Teil des eigenen Inneren werden lassen. Jesus lädt seine Zuhörer ein, dass sie sich seine Worte zu Eigen machen.

Menschen neigen dazu, das meiste, was sie hören, schnell wieder vergessen. Darum ist Wiederholung wichtig. Was wir uns merken wollen, muss ständig wiederholt werden, damit es sich einprägt und ins Gedächtnis einspeichert. Da wir jeden Tag sehr viel zu hören bekommen, müssen wir auswählen, was wir festhalten wollen. Wir können nicht alles behalten. Darum müssen wir Wichtiges von Unwichtigem trennen.

Wir können uns auch nicht alle Jesusworte merken. Darum hat Matthäus eine Auswahl der wichtigsten Worte Jesu in der Bergpredigt zusammengestellt. Eine Kurzform seiner ganzen Lehre. In drei Kapiteln gibt Matthäus zu vielen wichtigen Fragen des Lebens Worte Jesu wieder. Wer sich aus diesen drei Kapiteln ein paar Gedanken zu Eigen macht, der hat schon so etwas wie einen Grundstock für das eigene Leben.

Mit den Seligpreisungen fängt es an: Selig sind die Frieden stiften, ist zum Beispiel ein Wort, das ich mir zu Eigen gemacht habe. Oder was wir gerade gesungen haben: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles andere zufallen.“ Die Goldene Regel: „Alles, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch.“ Dann natürlich das Gebet, das wir in jedem Gottesdienst sprechen, das Vaterunser. Auch das ist Teil der Bergpredigt.

Was Jesus gesagt hat, hinterließ Spuren, die der Evagenlist mit diesen Worten schildert:
„Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet hatte, dass sich das Volk entsetzte über seine Lehre; denn er lehrte sie mit Vollmacht“. Jesus hat die Menschen mit seinen Worten berührt. Und die Leute haben sich die Worte Jesu zu Herzen gehen lassen. Sie waren betroffen, denn sie spürten: Er redet von uns, von unserem Leben.

Mit dem Gleichnis vom Hausbau spricht er grundlegende Fragen an: Worauf baue ich mein Leben? Was ist der Grund, auf dem ich sicher stehen kann? Was gibt mir Kraft und Halt? Das Fundament unseres Lebens, auch wenn es fest und sicher zu sein scheint, kann ins Wanken geraten. Plötzlich bricht etwas Unvorhergesehenes ins Leben hinein und reißt einem den Boden unter den Füßen weg. Dann muss das Lebensfunda-ment neu gesucht, neu erkämpft werden.

Jesus wusste das. Darum hat er sich mit Vorliebe an die Suchenden gewandt, an Men-schen, die das Gefühl kennen, den festen Boden unter den Füßen zu verlieren. Seine Jüngerinnen und Jünger, an die seine Predigt gerichtet ist, waren selbst solche Men-schen. Sie haben die tiefe Erschütterung erlebt, dass Jesus plötzlich nicht mehr da war. Da ist für sie alles ins Wanken geraten. Und sie mussten den Grund neu finden, den Jesus für sie und mit ihnen gelegt hat.

Wie schwierig die Suche nach einem tragfähigen Grund oft ist, zeigt beispielhaft der Film „Das Leben ist eine Baustelle“. Der Film spielt in Berlin, der Mutter aller Baustel-len, im Jahr 1989 kurz vor dem großen Umbruch, kurz vor der Wende, die den Beton-wall rings um Berlin zum Einsturz brachte.
Der Film beginnt mit einer Straßenschlacht: Sinnbild für eine in ihren Grundfesten er-schütterten Welt. Zwischen Wasserwerfern und fliehenden Passanten treffen der
Fleischer Jan und die geheimnisvolle Vera erstmals aufeinander. Um sie zu verteidigen, legt Jan sich nichtsahnend mit Zivilpolizisten an - und wird anschließend zu einer hohen Geldstrafe verknackt.
Damit nicht genug: Jan verliert seinen Job, muss erfahren, dass er sich möglicherweise Aids eingefangen hat und findet zu allem Überfluss seinen Vater tot in dessen Wohnung - gestorben an Vereinsamung.
Aufregend und voller Glück sind dagegen die Stunden mit der unberechenbaren, impulsiven Vera. Jan, der Träumer auf Jobsuche, und Vera, die ein wenig verrückte Musikerin, könnten ein Traumpaar sein. Doch ihr Glück ist zerbrechlich: Jan ist besorgt um seine Gesundheit und Vera schleicht sich jede Nacht davon, ohne ihm zu sagen, warum und wohin.
Das Leben ist eine Baustelle – der Titel ist Programm. In dem Film bauen und basteln die dargestellten Personen an ihrem Leben. Alles scheint brüchig. Alle sind auf der Su-che: Nach sich selbst, nach anderen, nach ein bisschen Glück und großer Liebe.
Am Ende der vielen Wirrungen und Irrungen gibt es ein Happy End. So ermutigt der Film dazu, die Hoffnung und den Glauben an trotz aller Tristesse nicht aufzugeben.

Damit sind wir bei dem zweiten Teil des Grundes, von dem Jesus gesprochen hat. Zu dem Hören auf seine Worte gehört das Tun. Wenn seine Worte nicht mit Leben erfüllt werden, bleiben sie leer und unverbindlich. Damit die Baustelle Leben einen festen Grund erhält, ist eigene Arbeit und Anstrengung nötig.
Jesu Worte tun, überhaupt am Glauben festhalten, das ist mit Zweifeln verbunden. Dinge passieren, die wir überhaupt nicht mit einem Gott zusammen bringen können, „der alles so herrlich regieret“, wie es in einem gern gesungenen Lied heißt.

So geht es uns derzeit. Die Pandemie, die seit März alles regiert, wenn auch nicht herr-lich, führt uns manches vor Augen, was wir bisher nicht so scharf wahrgenommen ha-ben. Zum Beispiel: In den ersten Wochen der Krise war noch einmal zu spüren, dass wir als Menschen in diesem Land eine Gemeinschaft sind. Da war eine große Solidarität unter den Menschen. Jetzt tritt mehr und mehr wieder der Egoismus Einzelner hervor. Und es wird deutlich, dass unsere Gesellschaft aus lauter Einzelwesen besteht, die untereinander wenig Zusammenhalt haben.
Besonders krass zeigen das diejenigen, die aggressiv Maßnahmen verweigern, die dem Schutz der Allgemeinheit dienen. Diese Leute sind unter Druck, weil sie sich einge-schränkt fühlen, nicht einfach machen können, was sie wollen, ihr gewohntes Leben nicht führen können. Das geht uns allen so. Mit den Einschränkungen und dem Frust darüber, der wohl jede und jeden manchmal befällt, müssen wir alle leben.

Uns ist dabei der Glaube eine Hilfe. Der lehrt uns, dass uns ein Leben voller Spaß und Lust, voller Unterhaltung und Vergnügen, nirgendwo versprochen ist. Von dem, was wir aus der Bibel lernen, wissen wir, dass Einschränkungen, Entbehrungen, Not und Leid zum Leben dazugehören. Menschen, die älter sind, kennen solche Zeiten. Seit jeher ist die Wüste ein Symbol für eine längere Durststrecke. Die lange Wüstenwande-rung der Israeliten schildert uns die Bibel als Beispiel, wie Menschen im Vertrauen auf Gott und mit Gottes Hilfe die Wüstenzeit durchstehen. Auch sie haben immer wieder gezweifelt, sich von Gott im Stich gelassen gefühlt. Doch sie haben durchgehalten und sind schließlich angekommen in dem Land, in dem sie leben konnten.

Wie die Israeliten um den Glauben gerungen haben, so müssen wir immer uns wieder festen Halt suchen für unser Leben. Jesus macht Mut dazu, bei dieser Suche an ihn zu denken. Wer seine Worte hört und danach lebt, findet immer wieder einen tragfähigen Grund für das eigene Leben. Schließlich führen seine Worte auch in die Gemeinschaft. In der Gemeinschaft der Gemeinde sind Menschen, die mit zu dem Grund gehören, der hält und trägt.

Ich wünsche uns allen einen festen Grund unter den Füßen und einen gesegneten Sonntag.

Predigt ursprünglich gehalten am 21. August 2011 – 9. Sonntag nach Trinitatis



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