Die Lücke im Bekenntnis

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13.09.2020

Die Lücke im Bekenntnis Predigt am 13. September – 14. Sonntag nach Trinitatis Am heutigen Sonntag wollte der gemeindliche Männertreff den Gottesdienst gestalten. Zum apostolischen Glaubensbekenntnis wollten...   mehr




Mit Israel die Güte Gottes feiern

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16.08.2020

Am heutigen Israelsonntag geht es darum, die Gemeinschaft von Christen und Juden zu bedenken und zu feiern. Das fällt schwer angesichts der Verhältnisse, die unter einem korrupten Präsidenten in Israel...   mehr




 

Der Grund des Lebens

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09.08.2020

Predigt zum 9. Sonntag nach Trinitatis „Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde...   mehr




Wozu wir Christen da sind


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02.08.2020

Es war einmal ein König, der hatte drei Töchter, die er alle sehr liebte, am meisten aber die jüngste von ihnen. Sehr gerne wollte er wissen, ob die Töchter seine Liebe erwidern und verlangte von ihnen ein Zeichen ihrer Liebe. Am nächsten Tag traten sie vor ihn. Die älteste hatte in ihrer Hand eine Schale mit Zucker und sagte zu ihm: Ich liebe dich so wie diesen Zucker. Der Vater freute sich darüber sehr. Die mittlere hatte in ihrer Hand ein Glas mit Honig und sagte zu ihm: Ich liebe dich wie diesen Honig. Auch darüber freute sich der Vater und blickte erwartungsvoll auf seine jüngste Tochter. Diese hatte in ihrer Hand ein Brettchen mit etwas Salz darauf und sagte zum Vater: Ich liebe dich so sehr wie dieses Salz. Da wurde der Vater zornig und sagte: Wenn das deine Liebe zu mir ist, bist du nicht mehr meine Tochter. Sie musste den Königshof verlassen und in die Welt ziehen.

Nach langem Umherirren konnte fand sie schließlich auf einem anderen Königshof eine Arbeit als einfache Küchenmagd. Durch ihr freundliches Wesen gewann sie bald die Zuneigung aller, mit denen sie zu tun hatte, schließlich auch die Liebe des Königssohnes. Er wollte sie heiraten. Zur Hochzeit wurden viele Könige, darunter auch der Vater der Braut eingeladen. Niemand wusste, wer die Braut wirklich war, auch der Königssohn nicht, und selbst ihr Vater erkannte sie nicht.

Die Speisen schmeckten herrlich. Als aber der Brautvater den ersten Bissen von seinem Teller nahm, spuckte er ihn sofort wieder aus; er war ungenießbar. Er bat seine Tischnachbarn, von ihren Speisen kosten zu dürfen - ihr Essen schmeckte vorzüglich. Da sprang der König zornig auf und rief, man wolle ihn zum Narren halten. Bestürzt kam der Vater des Bräutigams zu ihm. Er kostete die Speise und spuckte sie sofort aus. Da rief er zornentbrannt: Wer das getan hat, soll dafür büßen. Da stand die Braut auf und sagte: Ich habe die Speise zubereitet und habe sie nicht mit Salz, sondern mit Zucker und Honig gewürzt. Dann erzählte sie ihre ganze Geschichte. Und der Vater erkannte seine Tochter wieder und war sehr beschämt. Jetzt erst merkte er, dass das Salz ein besonderes Zeichen ihrer Liebe zu ihm war.

So ist es mit dem Salz: Man übersieht leicht, wie wertvoll es ist. Dabei ist es wichtig und notwendig für unser Leben. Beides meint Jesus, wenn er zu seinen Jüngern sagt: Ihr seid das Salz der Erde. Wir als seine jetzt lebenden Jüngerinnen und Jünger, als seine Gemeinde, sollen uns wie die Jünger damals angesprochen fühlen: Ihr seid das Salz der Erde. Ihr als Einzelne. Aber noch mehr: Ihr als Gemeinde.

Salz ist zusammen mit Brot ein Grundnahrungsmittel. Salz und Brot schenkte man früher einem Brautpaar zur Hochzeit oder Menschen zum Einzug in ein neues Haus. „Brot und Salz, Gott erhalt´s“. Das steht auch heute noch über mancher Haustür. Salz macht Speisen genießbar und schmackhaft; es ist die erste und eigentliche Würze. Wie wichtig es ist, können diejenigen unter uns bezeugen, die eine salzlose Diät einhalten müssen. Eine, auf die das zutrifft, sagte: „Ohne Salz schmeckt das Essen grausam.“ Man kann eher auf Zucker verzichten als auf Salz.

Dabei wird Zucker oft höher geschätzt als Salz. Verständlicherweise empfand der König in dem Märchen es als Zeichen der Zuneigung, dass seine Töchter ihm Zucker und Honig um den Bart schmierten. Viel wichtiger für unser Wohlbefinden und für den Haushalt des Körpers aber ist Salz. Wir Menschen sind selbst ziemlich salzige Lebewesen. Unser Blut enthält Salz, ungefähr so viel wie Meerwasser. Wie salzig wir sind, merken wir gut, wenn wir schwitzen. Der Schweiß schmeckt salzig genau wie Tränen. Er hinterlässt Salzspuren auf unserer Kleidung. Was wir an Salz ausscheiden, müssen wir auch neu dem Körper zuführen. Ungefähr 1,2 Gramm Kochsalz braucht unser Körper jeden Tag. Das Salz benötigt der Körper zum Beispiel, um das ihm zugeführte Eiweiß zu verarbeiten. Salz bindet die Flüssigkeit im Körper. Zu wenig Salz kann zu niedrigem Blutdruck und zu Muskelkrämpfen führen. Ich halte fest: Salz ist Teil unseres Körpers. Es ist lebensnotwendig.

Auf uns übertragen heißt das: Wir Christen sind Teil des gesamten Organismus einer Gesellschaft. Wir gehören dazu. Und wir sind für die Gesellschaft lebensnotwendig. Die Gesellschaft braucht uns als Christen, als Kirche. So wertvoll schätzt Jesus seine Gemeinde ein.

Salz der Erde sind wir Christen in frohen wie in traurigen Zeiten. Auch darin erweisen wir uns als Boten der Liebe Gottes, dass wir Situationen von Schmerz und Trauer mit aushalten. Oft ist es so in einer schweren Krankheit: Menschen fühlen sich ohnmächtig, manchmal von Gott verlassen. Sie können nichts mehr tun, nur noch da sein. Aber genau das ist es, was dem Tun Jesu und dem Wesen Gottes entspricht: Da sein, schweigend Anteil nehmend, so dass der andere spürt: Ich bin nicht allein. Da sein bei denen, die nicht mehr können. Auch das braucht unsere Gesellschaft dringend.

Eine andere Funktion des Salzes ist die: Es reinigt. Menschen sitzen vor Salinen und atmen die salzige Luft ein. Nasengänge und Bronchien werden frei. Manche benutzen Salzwasser zum Gurgeln bei Halsschmerzen. Früher als es noch nicht überall Zahnpasta gab, putzten sich Menschen mit Salz die Zähne. Rotweinflecken auf dem weißen Tischtuch lassen sich mit Salz entfernen. Auf uns übertragen heißt das: Christen haben die Aufgabe, reinigend in der Gesellschaft zu wirken. In dieser Hinsicht empfinde ich unsere Kirchen oft als zahm.
Das Salz kann fade werden. Es kann seine Fähigkeit zu salzen verlieren. Eine Frau hat am Ende des Krieges die Erfahrung gemacht. Mit ihrer Familie suchte sie in den Trümmern nach Lebensmitteln. Sie wussten ungefähr, wo sie graben mussten und fanden tatsächlich den Topf mit dem Salz. Große Freude kam auf. Nirgendwo sonst gab es mehr Salz. Aber dann kehrte große Enttäuschung ein. Denn das Salz hatte seinen Geschmack verloren. Es schmeckte nach nichts mehr. Es war nur noch fade und nutzlos. Das kann vorkommen. Das kann auch der Kirche passieren, wenn sie ihrer Aufgabe zu salzen nicht wahrnimmt. Irgendwann empfinden die Menschen sie als nutzlos.

Eine weitere Funktion des Salzes: Es konserviert. Ältere wissen aus eigenem Erleben: Früher, als es noch keine Kühltruhen gab, wurde das im Winter geschlachtete Fleisch in Salz eingelegt. So hielt es sich über längere Zeit. Auf uns übertragen heißt das: Christen helfen mit, die Erde und alles, was gut ist, zu erhalten und zu bewahren.

Ich verweise auf diese Kirche. Sie ist ein steinernes Zeichen für die bewahrende Güte Gottes. Denn der Güte Gottes ist es zu verdanken, dass diese Kirche steht und stehen geblieben ist und dass in ihr eine Gemeinde sich versammelt. Seit ihrem Bestehen hat die Gemeinde es als eine wichtige Aufgabe angesehen, dieses Bauwerk zu erhalten. Damit Menschen zu allen Zeiten Gelegenheit haben, sich der Gegenwart Gottes zu vergewissern, sich von Gottes Nähe trösten und stärken zu lassen.
Bewahrend wirken wir Christen dadurch, dass wir unsere Gemeinschaft pflegen und mit dafür sorgen, dass die Gemeinde erhalten bleibt. Bewahrend wirken wir auch nach außen, indem wir für den Schutz der Umwelt eintreten und selber auf die Reinhaltung unserer Umgebung achten.

Salz ist kostbar und notwendig zum Leben. Trotzdem hat der König in dem Märchen es nicht als Zeichen der Liebe empfunden. Man kann das Salz nicht schlecken wie einen Löffel Honig oder naschen wie einen Würfel Zucker. Kleine Kinder tun das manch-mal, wenn die Eltern nicht hinschauen. Salz für sich ist ungenießbar. Es schmeckt nur zusammen mit anderen Lebensmitteln. Da entfaltet es seine Würze. Und es geht dabei vollkommen in der Speise auf.

Bezogen auf uns Christen heißt das: Wir sind keine herausragenden, großen, auffälligen Menschen, sondern eher unscheinbar, unauffällig, bescheiden, wie es Jesu Jünger auch waren: einfache Leute, nicht besonders beeindruckend und hinreißend.
Sie waren damals am Anfang eine Minderheit. Dennoch ist das Christentum zur Weltreligion geworden. Es hat die Welt durchdrungen. Weil die Jünger und Jüngerinnen nicht für sich blieben, nicht im stillen Kämmerlein die Erinnerung an ihren geliebten Freund und Meister pflegten. Sondern sie gingen hinaus in die Öffentlichkeit, erzählten, was sie von Jesus erfahren und gelernt hatten, und handelten seinem Vorbild entsprechend. Das ist unsere Bestimmung als Christen und als Gemeinde: Uns einbringen in die Öffentlichkeit. Uns unter die Leute mischen. In der Beziehung mit anderen deutlich werden lassen, was wir glauben.

Die jüngste Tochter in dem Märchen hat ihrem Vater durch das Geschenk des Salzes sagen wollen: Ich bin für dich da. Meine Liebe zu dir erlebst du, wenn wir zusammen sind. Du kannst sie schmecken, fühlen. Aber es brauchte einen langen Weg, bis der Vater verstand.

Auch wir Christen werden in der Gesellschaft oft übersehen und nicht verstanden. Das ist schon Jesus so gegangen. Selbst er ist von vielen nicht verstanden worden. Auch später von vielen in der Kirche nicht. Davon sollen wir uns nicht entmutigen lassen. Salz der Erde sein, das ist eine große, wichtige, zum Leben notwendige Bestimmung.


gehalten am 10. August 2003 - 8. Sonntag nach Trinitatis



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26.07.2020

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