Die Lücke im Bekenntnis

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13.09.2020

Die Lücke im Bekenntnis Predigt am 13. September – 14. Sonntag nach Trinitatis Am heutigen Sonntag wollte der gemeindliche Männertreff den Gottesdienst gestalten. Zum apostolischen Glaubensbekenntnis wollten...   mehr




Mit Israel die Güte Gottes feiern

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16.08.2020

Am heutigen Israelsonntag geht es darum, die Gemeinschaft von Christen und Juden zu bedenken und zu feiern. Das fällt schwer angesichts der Verhältnisse, die unter einem korrupten Präsidenten in Israel...   mehr




 

Der Grund des Lebens

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09.08.2020

Predigt zum 9. Sonntag nach Trinitatis „Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde...   mehr




Wozu wir Christen da sind

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02.08.2020, 10:59

Es war einmal ein König, der hatte drei Töchter, die er alle sehr liebte, am meisten aber die jüngste von ihnen. Sehr gerne wollte er wissen, ob die Töchter seine Liebe erwidern und verlangte von ihnen ein...   mehr




Brot, das alle satt macht - Johannes 6,30-35

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26.07.2020

„Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“ Wort Jesu Christi. „Brot und Spiele“, das wussten die Herrscher im alten Rom, Brot...   mehr




 

Fürchtet euch nicht, ich bin bei euch - Matthäus 28,20

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19.07.2020, 09:30

„Fürchtet euch nicht. Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. So sprach Jesus zu seinen Jüngern. Er hat nicht gesagt: Macht euch keine Sorgen, ich kümmere mich um alles.“ Mit diesen Worten...   mehr




Zufälle bestimmen unser Leben

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19.07.2020

„Das war ein Zufall.“ So antwortete eine Frau auf meine Frage, wie sie und ihr Mann sich kennen gelernt haben. Er wohnte und arbeitete in Duisburg. Sie wohnte in Frankfurt und arbeitete bei den Opelwerken in...   mehr




 

Die Sache mit dem Kreuz - 1. Korinther 1,18-25

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12.07.2020

Dem Kreuz begegnen wir auf Schritt und Tritt. Einmal fragte ich eine junge Frau, die ein Kreuz an einem Halsband trug, ob das eine bestimmte Bedeutung für sie habe. Sie sagte: „Es hat keine tiefere Bedeutung....   mehr




Der werfe den ersten Stein - Johannes 7,40-53. 8,3-11

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05.07.2020

Wer ist Jesus? Ist er ein Prophet, der im Auftrag Gottes zu den Menschen spricht? Ist er der Christus, der von Gott gesandte Heilsbringer? Oder ist er ein Verführer, der mit genialer Redekunst die Menschen für...   mehr




Niemand geht verloren

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28.06.2020

Vom Suchen und Finden Jesus erzählt ein Gleichnis. Seine kleinen Geschichten sind Denkanstöße mit Schockwirkung. Denn ein Gleichnis stellt Dinge auf den Kopf, durchbricht das ge-wohnte Denken. Es fordert...   mehr




Ströme lebendigen Wasser - Sonntag Exaudi

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24.05.2020

Aber am letzten, dem höchsten Tag des Festes trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers...   mehr




Wenn das Beten sich lohnen tät - Lukas 11,1-4

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16.05.2020
Predigt zum Sonntag Rogate
Und es begab sich, dass er an einem Ort war und betete. Als er aufgehört hatte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte. Er aber sprach zu ihnen: Wenn...   mehr


Sieben Wochen ohne Pessimismus, sieben Wochen Zuversicht

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08.03.2020, 10:00

Predigt zur Fastenaktion über 2. Mose 14,1-14

Es war der letzte Gottesdienst, der vor der Corona-Krise noch stattfand. Ab dem nächsten Sonntag waren alle Kirchen geschlossen. Sieben Wochen ohne Pessimismus – sieben Wochen Zuversicht. So heißt das Motto...   mehr




Visionen braucht ein Volk

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10.11.2019

Predigt über Sprüche 29,18 am 10. November 2019 zu Beginn der Friedensdekade

Ein Volk ohne Visionen geht zugrunde. Sagt die Bibel. (Sprüche 29,18) „Wer eine Vision hat, der soll zum Arzt gehen.“ Sagte der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt beim Bundeskongress der SPD am 4. Dezember...   mehr





Erinnerung an die Zeit der Wende


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29.09.2019

Predigt mit Matthäus 6,25-34 Erinnerung an Christoph Wonneberger

Gottesdienst am 29. September 2019 in Duisburg-Wedau
Erinnerung an Christoph Wonneberger
und die Demonstrationen in Leipzig im Herbst 1989

Matthäus 6,25-34

Wir hören Worte aus der Bergpredigt.
Jesus erklärt denen, die ihm folgen, worum es im Leben geht:
Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet;
auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet.
Das Leben ist doch mehr als die Nahrung
und der Leib mehr als die Kleidung.
Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht,
sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen;
und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.
Ihr seid doch viel kostbarer als sie.
Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung?
Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen:
Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht.
Doch auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit
ist nicht gekleidet gewesen wie eine von ihnen.
Da nun Gott das Gras auf dem Feld so wunderschön kleidet,
das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird,
wie viel mehr wird er das für euch tun.
Denn euer himmlischer Vater weiß, wessen ihr bedürft.
Trachtet ihr zuerst nach dem Reich Gottes
und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles andere zufallen.
Und sorgt nicht für morgen,
denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen.
Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.



Predigt

Das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit soll eure größte und wichtigste Sorge sein. Sagt Jesus. Seine Gleichnisse und sein Umgang mit seinen Mitmenschen zeigen, worin diese Gerechtigkeit besteht.

Gottes Gerechtigkeit besteht darin, dass sie den Menschen gerecht wird. Jede und jeder soll haben, was sie und er zum Leben braucht. Nicht weniger, aber auch nicht so viel mehr. Jede und jeder soll frei ihr und sein Leben leben können. Jede und jeder soll die Chance haben zu einem neuen Anfang, wenn sie oder er sich schuldig gemacht oder einfach nur falsche Entscheidungen getroffen hat.

Einen neuen Anfang, frei von Zwängen, Bespitzelungen, ständigen Drohungen, den suchten Menschen in unserem Land vor dreißig Jahren. In den zurückliegenden Septemberwochen entwickelte sich eine Bewegung, die schließlich in eine friedliche Revolution mündete.

Am Anfang des Monats, am 4. September, einem Montag, fand am Nachmittag in Leipzig das erste Friedensgebet mit anschließender Demonstration statt. 1200 Menschen beteiligten sich daran. Zwei junge Frauen, Katrin Hattenhauer und Gesine Oltmanns, hatten die Demonstration organisiert. Sie verteilten Transparente an andere Demonstranten und entrollten selbst vor der Kirchentür ein weißes Bettlaken mit der Aufschrift „Für ein offenes Land mit freien Menschen“.

Fernsehreporter aus dem Westen waren wegen der Leipziger Messe am Ort. Ihre Drehgenehmigung galt für die ganze Stadt. Die Bürgerrechtlerinnen hatten sie vorab über ihr Vorhaben informiert. So begann am Abend die Tagesschau mit dieser Meldung: „In Leipzig ist es am Abend nach einem Gottesdienst in der Nikolaikirche zu einer Demonstration von mehreren Hundert Menschen gekommen. Auf Transparenten wurden mehr Freiheit und Rechte für DDR-Bürger verlangt. Rufe wie ´Stasi weg` und ´Mauer weg` waren zu hören. Das war der Beginn der montäglichen Friedensgebete und Demonstrationen, die nun jede Woche stattfanden, bald auch in anderen Städten.

Initiator der Friedensgebete ist ein Mann, der nach dem Fall der Mauer vergessen wurde. Doch Leute wie ihn braucht es auch heute in unserem Land und weltweit. Darum will ich an ihn heute einmal besonders erinnern.

Christoph Wonneberger war seit 1977 Jugendpfarrer in Dresden. Also solcher beriet er Kriegsdienstverweigerer in der DDR. Per Kettenbrief machte er die Initiative „Sozialer Friedensdienst“ bekannt, die er selbst ins Leben gerufen hatte.

Der SED-Staat und Wonnebergers eigener Arbeitgeber, die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens, beobachteten und beäugten jeden seiner Schritte. Für die Staatssicherheit war der Pfarrer, der Wehrdienstverweigerer unterstützte, ein Staatsfeind, ein „Exponent der PUT“, wie es in Stasi-Deutsch hieß, der „politischen Untergrundtätigkeit“.

Aber auch in den Augen von Landesbischof Johannes Hempel galt der Mann als innerkirchlicher Problemfall. Wie fast die gesamte Kirchenführung in der DDR plädierte Hempel dafür, sich mit dem Staat zu arrangieren, um im Tausch kleine Freiräume zu erhalten. Die Kirche sollte ein Trostbetrieb für die Schäden sein, die der Staat anrichtete. Doch Wonneberger erwartete mehr von der Kirche.

1982 plante er, eine DDR-weite Sternfahrt von Radfahrern nach Dresden. Mit dieser Aktion wollte er für einen „Friedensdienst“ werben, einen echten Wehrersatzdienst, den es in der DDR nicht gab. Für die SED-Gewaltigen als auch die Kirchenoberen überschritt er damit eine rote Linie. Seine Vorgesetzten sagten ihm: „Wenn du das machst, dann hast du deinen Job nicht mehr.“
Um Pfarrer bleiben zu können, lenkte er ein und sagte die Sternfahrt ab. Statt dessen erfand er eine Alternative, die vergleichsweise harmlos wirkte: In mehreren Städten sollten sich an einem festen Wochentag in einer bestimmten Kirche Menschen zu Friedensgebeten treffen. Mit diesen Friedensgebeten, die sich nach und nach in mehreren Städten etablierten, setzten er und seine Freunde eine Bewegung in Gang, die anfangs kaum auffiel.

1985 schickte die Kirchenleitung Wonneberger nach Leipzig. Er bekam die Pfarrstelle der Lukaskirche in einem Arbeiterviertel, weitab vom Zentrum. Vielleicht, so hoffte man im Bischofsamt, könnte man so den renitenten Pfarrer ruhig stellen. Der Leipziger Superintendent Friedrich Magirius beauftragte ihn, ein Friedensgebet zu organisieren. Er habe doch Erfahrung damit. Wonneberger sagte zu und lud in die Stadtkirche St. Nikolai zum Friedensgebet ein.

In seiner Gemeinde hielt er enge Kontakte zu Gruppen von Bürgerrechtlern, die an vielen Orten entstanden waren. Im Sommer 1989 fand der ostdeutsche Kirchentag in Leipzig statt. Der Kirchenleitung erschien es zu riskant, oppositionelle Basisgruppen zuzulassen. Da erklärte Wonneberger sein St. Lukas kurzerhand zum Ort eines „Statt-Kirchentages“, wo die Bürgerrechtler willkommen waren.

Ein Mitglied der Leipziger Umweltschutzbewegung, sagt im Rückblick: „Das war ja nicht leicht damals. Viele Pfarrer, viele Kirchenvorstände haben ihre Kirchen dicht gemacht und gesagt: ´Das ist nicht unsere Intention, mit den Leuten wollen wir nichts zu tun haben.` Bei Pfarrer Wonneberger konnte man die Räume immer nutzen, um Veranstaltungen zu machen, Konzerte zu organisieren, über Menschenrechtsverletzungen informieren. Da war er der erste Ansprechpartner für uns.“

Ein anderer vom Bürgerkomitee Leipzig erklärt: „Ich denke, man kann mit Fug und Recht sagen: Ohne das Engagement von Christoph Wonneberger hätte es weder die Friedensgebete noch die Montagsdemonstrationen in der uns bekannten Form gegeben.“

Nach dem ersten Friedensgebet mit anschließender Demonstration sprach es sich herum: Wer irgendwie gegen die SED ist, der kann das am besten zeigen, wenn er montags um 17 Uhr zur Nikolaikirche kommt.

Der Termin der Friedensgebete in der Nikolaikirche und drei anderen Kirchen der Leipziger Innenstadt, montags um 17 Uhr, war geschickt gewählt. Er erlaubte die Teilnahme an Gebet und Demonstration, ohne der Arbeit fernzubleiben. SED-Mitglieder waren durch ihre montäglichen Parteiversammlungen in ihren Betrieben gebunden. Außerdem herrschte in der Stadt der übliche Einkaufsbetrieb. So konnte man sich dort aufhalten, ohne die Aufmerksamkeit der Sicherheitskräfte auf sich zu ziehen. Außerdem ermöglichte die nachmittägliche Uhrzeit den westdeutschen Fernsehsendern, von den Demonstrationen in den Hauptnachrichtensendungen zu berichten. Das Bildmaterial musste dabei aus Leipzig herausgeschmuggelt werden, da die Stadt für westliche Journalisten zu dieser Zeit gesperrt war.

Am 18. September waren bereits 1.500 Demonstranten in Leipzig auf den Beinen, eine Woche später schon 8.000. An diesem Montag, dem 25. September 1989, hielt Christoph Wonneberger von der Kanzel der Nikolaikirche eine Predigt, die prophetischen Charakter hat. Er spricht über Gewalt und Mut:

„Mit Gewalt ist der Mensch durchaus zu ändern. Mit Gewalt lässt sich aus einem ganzen Menschen ein
kaputter machen, aus einem freien ein gefangener, aus einem lebendigen ein toter.
Wer Gewalt übt, mit Gewalt droht und sie anwendet, wird selbst Opfer der Gewalt.
Wer das Schwert nimmt, wird durchs Schwert um-kommen.
Wer einen Gummiknüppel schwingt, sollte besser
einen Schutzhelm tragen. (An dieser Stelle gab es
lan-gen Beifall. Weiter:)
Wer andere blendet, wird selbst blind. Wer andere willkürlich der Freiheit beraubt, hat bald selbst keine Fluchtwege mehr. (Lachen und Beifall)

Weiter sagte er in Anlehnung an Jesu Bergpredigt:
„Unselig sind, die auf Gewalt setzen, sie werden einen Trümmerhaufen vererben. Unselig sind, die Gewalt anwenden, sie werden sich und das Land ruinieren. Unselig sind, die ihren Führungsanspruch mit Gewalt durchsetzen wollen, das Land wird sie enterben.
Selig sind die sanft Mutigen, sie werden das Land besitzen. Selig sind, die der Gewalt gewaltlos entgegentreten, sie werden ein bewohnbares Stück Erde vererben."

Zwei Wochen später, am 7. Oktober feierte die DDR-Führung den 40. Jahrestag der Staatsgründung. Der Vorsitzende, Erich Honecker, beendete seine Rede mit pathetischen Worten: „Auch im fünften Jahrzehnt wird der sozialistische Staat der Arbeiter und Bauern durch sein Handeln zum Wohle des Volkes, durch seinen Beitrag zum Frieden, Sicherheit und internationaler Zusammenarbeit ständig neu beweisen, dass seine Gründung im Oktober 1949 ein Wendepunkt war – in der Geschichte des deutschen Volkes und Europas.“

Elf Tage danach, am 18. Oktober, zwang ihn Egon Krenz zum Rücktritt und übernahm seine Nachfolge. Vorangegangen war der 9. Oktober. Da stand für die DDR Führung alles auf dem Spiel. Sie war entschlossen, die nächste Montagsdemonstration mit Gewalt niederzuwerfen.

Christoph Wonneberger und seine engsten Mitstreiter druckten 30.000 Flugblätter, die zur unbedingten Gewaltlosigkeit aufriefen. 8000 bewaffnete Soldaten und Polizisten standen 70 000 Demonstranten gegenüber. Eine unglaublich angespannte Situation auf beiden Seiten. Die Demonstration blieb gewaltfrei und gab damit der geballten Staatsmacht keinen Vorwand einzugreifen.

Später sagte Horst Sindermann, ehemaliges Mitglied des Politbüros in der DDR: „Wir hatten alles geplant. Wir waren auf alles vorbereitet. Nur nicht auf Kerzen und Gebete.“
Am Abend des 9. Oktober sendeten die „Tagesthemen“ ein telefonisches Interview mit Wonneberger. So waren auch wir im Westen informiert über die Vorgänge im Osten.

Die Entscheidung, die zum Rückzug der Sicherheitskräfte führten, fiel auf Leipziger Ebene. Der 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung hatte sich mit einer Lagebeschreibung nach Berlin gewandt. Aber erst lange, nachdem sich die Demonstration schon aufgelöst hatte, erhielt er eine hinhaltende Antwort. Da sie nicht die Verantwortung für ein drohendes Blutbad übernehmen wollten, trafen der SED-Bezirksleiter und der Leipziger Polizeipräsident die Entscheidung zum Rückzug der Kräfte. Der eigentliche Auftrag, eine Demonstration zu unterbinden, wurde nicht ausgeführt.

Nachdem sich die Staatsmacht als ohnmächtig erwiesen hatte, nahmen am 23. Oktober in Leipzig 300.000 Menschen an der Demonstration teil.

Eine Woche später, am 30. Oktober 1989, erlitt Wonneberger einen Schlaganfall. Es war für ihn eigentlich eine Phase der Entspannung, bevor das passierte. Einem Freund hatte er gesagt: „Ich muss mir jetzt eine andere Arbeit suchen. Ich bin nicht mehr nötig. Inzwischen haben die Leute ihr Leben selber in die Hand genommen.“
Was dann im November 89 geschah, bekam Wonne-berger nicht mehr mit. Monatelang lag er im Koma. Ganz langsam erwachte er in einer Welt, die nicht mehr die alte, bekannte war.

An seiner Stelle sind nach dem 9. November der Leipziger Superintendent Magirius, und der Pfarrer der Nikolaikirche, Christian Führer, als Führer des Widerstands gegen die Staatsgewalt geehrt worden.

Wonneberger ist aus seinem Koma wieder erwacht und in der Lage, Gespräche zu führen. Im Rückblick auf die Zeit bis zum Mauerfall ist er glücklich, dass viele Menschen 1989 den aufrechten Gang gelernt haben. Doch das Verhalten vieler Menschen in Sachsen heute findet er furchtbar: „Ich kann das überhaupt nicht verstehen. Die Sachsen.“ Vielleicht – so Wonneberger – brauchen die Menschen wieder jemanden, der sie aufrüttelt.

Das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit sind nach der Wende nicht in Deutschland angebrochen. Hass und Wut werden geschürt und machen sich breit. Leute, die diesen Staat in eine Diktatur zurückführen wollen, die mit dreisten Lügen Angst und Hass verbreiten, spalten unser Land und unsere Gesellschaft. Denn viele Leute lassen sich davon anstecken, leben ihre Unzufriedenheit aus, anstatt ihre Mitverantwortung zu erkennen für das Leben in unserem Land.

Die Mauer, die es heute einzureißen gilt, ist vielleicht noch schwerer zu überwinden, als die aus Stein und Stacheldraht. Die Mauer heute besteht aus Angst, irgendetwas zu verlieren. Sie besteht aus Intoleranz und mangelnder Bereitschaft, Fakten zur Kenntnis zu nehmen und von Lügen zu unterscheiden. Sie besteht aus einem Anspruchsdenken, das an erster Stelle die eigene Person im Blick hat und wenig Sinn für das große Ganze. Diese Mauer ist mittlerweile so stark, dass keine Verständigung mehr möglich ist mit denen, die an dieser Mauer bauen.

Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit. Wir Menschen werden das Gottesreich nicht errichten, wir werden die Welt nicht retten. Denn wir leben in einer noch nicht erlösten Welt. Als einzelne Christen und als Gemeinden haben wir die Aufgabe, mit den tausendundeiner Taten der Nächstenliebe Gottes Reich mit anzubahnen.

Die Barmer Theologische Erklärung sagt es so: Die Kirche, zu der wir gehören, „erinnert an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten. Sie vertraut und gehorcht der Kraft des Wortes, durch das Gott alle Dinge trägt.“

Unser Land braucht Leute, die sich stark machen für die Demokratie, dafür, dass wir ein freies, offenes Land bleiben, dass Werte wie Mitmenschlichkeit, Respekt, Wahrhaftigkeit geachtet werden.
Unser Land braucht Menschen, die das Wohl aller im Blick haben, Menschen mit einem weiten Herzen, sanftem Mut und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Solche Menschen preist Jesus selig.

 Matth6v34_ 2019 Wonneberger_3.doc


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Anspiel von einer Männergruppe - 30 Jahre Mauerfall

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15.09.2019

Gottesdienst 30 Jahre Mauerfall am 15. September 2019 Anspiel nach Art einer Talkshow Teilnehmer: Mathias Wolf, Frank Richter, Helmut Müller, Moderator Moderator Guten Morgen, meine Damen und Herren,...   mehr